Das war Vilnius

Die Ankunft in Vilnius war im Gegensatz zu jener in Kanuas regelrecht entspannt. Fast schon richtig wie in den Ferien. Und wir hatten hohe Erwartungen an die Hauptstadt, hatten wir doch schon viel Schwärmereien im Voraus gehört.

Das vorab gebuchte Hostel hielt, was der Preis versprach. Zum Glück stimmte aber auch, was die positiven Besucherrückmeldungen meinten: Der Gastgeber war sehr freundlich und unkompliziert. Obwohl: bei der Ankunft wurden wir recht unheimlich vom stummen Mechaniker (der seine Werkstatt unten eingemietet hat) auf die richtige Türe des Gebäudes verwiesen. Brrr…

In Vilnius haben wir viel erlebt. Wir waren aktiv, wurden kulturell gebildet, entspannten uns bei feinem Essen und erlebten puren Horror.

Keine Angst, wir sind wohl auf:

Wir besuchten den geografischen Mittelpunkt Europas. Martina mietete ein Gravel-Bike und wir machten eine 60km-Runde in nördlicher Richtung.

Eigentlich frustrierend: Bin ich doch mittlerweile schon so lange unterwegs und noch nicht mal über der Hälfte 🙁 Hätte ich nicht gedacht. Ein Blick auf eine Karte hat mich aber wieder beruhigt. Europa ist schon noch gross…

Am zweiten Tag nahmen wir an einem kostenlosen Stadtrundgang mit einer Einheimischen teil. Zum Glück war mir dieses Mal klar, dass dieser gar nicht kostenlos ist. Zumindest nicht, wenn man etwas Anstand hat und wie gefordert ein Trinkgeld spendiert, analog zum Gefallen, den man an der Führung fand.

Besonders imponiert hat mich, wie sehr die Künstler in ihrem Künstlerviertel Uzupio um ihre Sicherheit bedacht sind. Dass die sich mit modernem Schnickschnack wie IP-Kameras auskennen…

Weil wir in Kaunas so gute Erfahrungen gemacht haben und weil es hier statt Wandmalereien viele Kirchen (30!) gab, suchten wir am Nachmittag noch so viele wie möglich auf und kamen dann so in alle Winkel der grossen Altstadt.

Weil uns die Stadt so gefiel und weil wir in Bialystok einen Tag einsparten, verlängerten wir unseren Aufenthalt hier um einen Tag und hatten darum Zeit, den nahegelegenen Kletterpark zu besuchen.

Dieser konnte sich sehen lassen. Leider hatte ich keine Zeit, alle Parcours zu absolvieren. Ich musste doch meine Brille wiederfinden, die mir durchs Blätterdach heruntergefallen ist 🙂

Am letzten Tag mussten wir früh los. Das war aber kein Problem. Zmorgen mussten wir nämlich in der Gemeinschaftsküche selber machen und wir konnten uns gut nach unseren Zeitplänen richten.

Wären wir doch nur eine Stunde früher aufgestanden.

Geplant war, dass mit mit dem zweiten Bus nach Riga fahren. Der erste hätte vielleicht mein Velo mitgenommen. Doch der zweite fuhr dann ohne uns dahin… Busse transportieren in der Regel keine Velos.

Adjö, Bus nach Riga…

Zum Glück war mir Martina eine treue Begleiterin und wir konnten zusammen neue Pläne schmieden. Auch hier war abermals die Idee, dass Sie mit dem dritten Bus weiter fährt und ich mit dem Velo nachreise.

Wobei wir direkt zum Horrormoment überleiten: Als ich meinen Drahtesel so dahin schob, erinnerten mich die Knackgeräusche am Hinterrad einer Pendenz, der sich ein Mechaniker seit unserem Ausflug nach Mitteleuropa hätte annehmen sollen.

Zwei der solchen suchte ich heute auf. Der erste war leicht genervt, als er ob meinem Sturmgeläut an der Hausglocke aus dem Bett kroch (es war immerhin nach 10:00 Uhr). Meinte er doch, er hätte viel zu tun und nicht vor Dienstag Zeit. Offenbar hatte er mehr Zeit als ich.

Der zweite erwies sich als Volltreffer. Er punktete zwar nicht mit seiner horror-Hiobsbotschaft: Hinterachse gebrochen.

Er war ebenso wie ich erstaunt darüber und meinte auch, dass ein solches Rad das bisschen Kies locker wegstecken sollte. Aber er zeigte echten Einsatz, organisierte er doch schnell ein Ersatz-Rad. Ich – ausgestattet mit einem Leih-Velo – flitzte ans andere Ende der Stadt und brachte im das Ersatzrad. Zwei Stunden und 100 Euro später war alles wieder flott. Ich war glücklicher Besitzer einens voll funktionstüchtigen Reiserads und sogar neuer Ersatzspeichen.

Nun galt es nur noch die letzte Hürde zu meistern: Die Busfahrt nach Riga. Wir waren mutig und versuchten beide unser Glück mit dem dritten Bus – erfolgreich. Die Organisation von Hotel und verspäteter Anreise war dann nur noch Formsache.

Riga, wir kommen!

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